Einzelhandel: Ausbildungsbetriebe und Berufsschule unterstützen den Berufsnachwuchs gemeinsam nach Kräften

Von Sandra Köhler - HAZ Anzeiger Burgdorf/Uetze vom 23. Januar 2021

Burgdorf. Nichts ist wie sonst für Auszubildende im Einzelhandel in der Corona-Pandemie. Andreas Kulpe kann davon aus eigener Erfahrung berichten. Der 37-Jährige kommt aus der Baubranche und absolviert derzeit zusammen mit seinem Azubikollegen Kai Nissel eine Ausbildung zum Groß- und Einzelhandelskaufmann im Hagebaumarkt in Burgdorf. „Ich hoffe, dass das dritte Jahr normal wird“, sagt er. Den Ansturm zwischen den Lockdowns habe er als stressig erlebt: „Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, ist das mehr Verständnis der Kunden für die Kollegen, die Höchstleistungen vollbringen.“

EH Azubi Pandemie

Hagebaumarkt-Azubi Kai Nissel führt am Telefon ein Kundenberatungsgespräch über Farben. foto: Sandra Köhler

Warenwirtschaft kennenlernen

Da der Markt aktuell nur für Gewerbekunden geöffnet ist, entfallen die üblichen Beratungsgespräche meist. „Gewerbliche Kunden wissen, was sie brauchen, und wo sie es finden“, sagt Kulpe. Privatkunden dagegen können ihre Artikel online oder per Telefon ordern und sie an der Ausgabe abholen. Das verschafft den Azubis Praxis beim Aufnehmen von Bestellungen. Und sie lernen des Warenwirtschaftssystem intensiv kennen.

Die beiden Burgdorfer Hagebau-Azubis lernen darüber hinaus, wie Kundenberatung am Telefon und per Videochat funktioniert. Beides bietet der von Rena Garbe geführte Baumarkt zurzeit an. Die Videotelefonie habe sich bewährt, sagt Garbe. „Da kann man an den Regalen entlanggehen und den Kunden die Waren zeigen.“ Auch die zahlreichen Schulungen und Seminare, die die zuständige Abteilung für die Betreuung der angehenden Groß- und Einzelhandelskaufleute innerhalb der Möldersgruppe anbietet, zu der auch die Hagebaumärkte gehören, erfolgen aktuell ausschließlich online.

„Hier kümmern wir uns darum, dass die Azubis die möglichen Voraussetzungen zum Lernen haben und tauschen uns mit ihnen regelmäßig aus, ob alles läuft, oder ob es Probleme gibt“, sagt die Marktleiterin. Azubi Kulpe fühlt sich gut betreut. „Unser Ausbildungsbetrieb unterstützt uns nach Kräften. Wir bekommen die Möglichkeit, mit Kollegen Beratungsgespräche zu üben und den Umgang mit dem Warensystem“, sagt er. „Wenn nötig, würden wir auch Nachhilfe bekommen.“

Lernen auf Distanz fällt schwer

In der Berufsschule haben die Einzelhandelazubis Whatsapp-Gruppen gebildet, um sich gegenseitig zu unterstützen. Der Distanzunterricht fällt offenbar vielen schwer. „Nicht jeder kann sich den Stoff selbst erlesen“, sagt Kulpe. Und nicht jeder traue sich nachzufragen. Auch wenn Lehrer im Präsenzunterricht letztlich die gleichen Inhalte vermittelten – „die Möglichkeit, etwas schrittweise nachzuvollziehen und direkt nachzufragen, fehlt“. An den Lehrern liege das nicht. Viele gäben sich Mühe und seien „fast rund um die Uhr“ ansprechbar.

Lob für viele Berufsschullehrer

„Meine Kolleginnen und Kollegen machen einen großartigen Job“, sagt Ralf Jacobs, Standortleiter der Handelslehranstalt der BBS Burgdorf. „Präsenzunterricht ist nicht zu ersetzen, aber wir versuchen es nach Kräften“, sagt Lehrerin Nicole Bohl. Die Schule stelle Endgeräte, damit alle Berufsschüler dem Distanzunterricht folgen können. Die Lehrer sind im Gespräch mit den Ausbildungsbetrieben, um Probleme rechtzeitig mitzubekommen. Und sie helfen bei der Prüfungsvorbereitung. „Schule muss mehr sein als nur Wissensvermittlung“, sind beide Lehrer überzeugt. Gerade in der Corona-Pandemie.

Anmerkung der BBS Burgdorf: Es ging natürlich um die Ausbildung der Kaufleute im Einzelhandel ;)